Exit als Christ?
- BLB Schweiz

- 28. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Frage:
Meine Mutter war Christin. Sie hat sich mit Exit das Leben genommen. Wir hatten zuvor viele Diskussionen darüber. Sie wollte, dass ich dabei bin bei dieser Handlung. Ich konnte das nicht In der Bibel habe ich keine Hilfestellung gefunden.
Antwort
Vielen Dank für diese sehr persönliche Frage und deine Offenheit. Du beschreibst eine unglaublich schwierige und schmerzhafte Situation. Und um es gleich vorwegzunehmen: Ich kann dir auf deine Frage keine „einfache“ biblische Lösung oder Antwort geben, die diese Spannungen ganz auflöst.
Grundsätzlich ist die Bibel sehr lebensbejahend. Das Leben wird als Geschenk Gottes verstanden, voller Würde und Wert. Leben ist sehr wertvoll und von Gott getragen.
Gleichzeitig verschweigt die Bibel auch nicht die Tiefe menschlicher Verzweiflung. Sie erzählt von Menschen, die nicht mehr leben wollten (Elia, Hiob) und sogar von Suizid (Saul, Ahitofel, Judas). Auffällig ist, dass darüber ohne direkte moralische Bewertung berichtet wird. Ich vermute, weil Gott nicht die Handlung allein sieht, sondern auch den tiefen Schmerz und die Not, die dahintersteht.
Eine weitere Spannung, die du beschreibst, hat mit deiner persönlichen Rolle als Tochter zu tun. Liebe möchte bleiben, begleiten, tragen. Und dennoch gibt es Situationen, in denen man spürt: «Ich kann diesen Schritt nicht mitgehen», zum Beispiel weil eine tiefe innere Grenze überschritten würde so wie du das erlebt hast. Dass du dich entschieden hast, nicht persönlich beim Exit anwesend zu sein, macht deine Liebe zu deiner Mutter aber nicht weniger echt.
Ich glaube, dass hier mehrere Wirklichkeiten gleichzeitig bestehen, die nicht gegeneinander ausgespielt werden müssen:
Du hast deine Mutter geliebt.
Deine Mutter war in grosser Not.
Du konntest ihre Entscheidung diesen Weg zu gehen, nicht mittragen.
Trotzdem bleiben Trauer, Ambivalenz, offene Fragen und vielleicht auch Schuldgefühle zurück.
Nicht jede Spannung lässt sich einfach auflösen. Manchmal bleibt uns nur, sie auszuhalten, damit vor Gott zu kommen und sie vor ihm zu benennen – im Vertrauen darauf, dass seine Barmherzigkeit (dir und deiner Mutter gegenüber) grösser ist als unser eigenes Verstehen.


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