Über(s)leben mit Kindern
- Anina Kreibich

- 9. Feb.
- 2 Min. Lesezeit

Ich liebe es, viel zu früh geweckt zu werden – zumindest, wenn ich den Grund liebe.
Vor einigen Wochen waren mein Mann und ich mal wieder Gastgeber. Freunde kamen zu Besuch, und wir genossen einen schönen, geselligen Abend: feines Essen, guter Wein und tiefgründige Gespräche über Ehe und Beziehungen. Einfach toll! Und natürlich wurde es viel zu spät. Dabei hatten wir uns eigentlich vorgenommen, spätestens um 22 Uhr Schluss zu machen – immerhin war am nächsten Tag ein ganz normaler Arbeitstag. Tja, wir beide haben kläglich versagt. Um 23:30 Uhr verabschiedeten wir uns und dann musste ja auch die Küche noch aufgeräumt werden. Am liebsten hätte ich vorgeschlagen, einfach alles stehen zu lassen. Aber der Gedanke, am nächsten Morgen in dieses Chaos zu kommen… Nein, auf keinen Fall. Also haben wir‘s gemeinsam durchgezogen. Endlich im Bett – gefühlt kaum eingeschlafen – wurde ich aus dem Schlaf gerissen.
„Mami, chum...!“ Das Rufen war nicht in einer dezenten Flüstertonlage (schliesslich schlafen alle), sondern so laut, dass garantiert das ganze Haus davon wach wurde. Wie spät ist es wohl? 5:10 Uhr. Nicht dein Ernst! Am liebsten hätte ich das Rufen ignoriert, mich zur Seite gedreht und weitergeschlafen, aber das ging natürlich nicht. So ist das eben, das Leben mit Kindern. Vielleicht wird es morgen besser. Spoiler: Es wurde nicht besser. Das Aufwachen war nur wenig später und wir hatten bereits die ersten Diskussionen – über Kleidungsstücke. Ich war schon wieder genervt. Und das will ich eigentlich gar nicht. Es ist so anstrengend, den Tag schon mit gereizter Stimmung und übermüdet zu beginnen. Und dann kommt das schlechte Gewissen. Ich liebe doch meine Kinder! Aber in solchen Momenten passen meine Gefühle so gar nicht zu dieser Liebe. Zum Glück weiss ich, dass Liebe nicht immer ein Gefühl ist. Manchmal widersprechen meine Gefühle der Liebe, aber sie ist trotzdem echt. Nach dem Mittagessen sassen mein Mann und ich bei einem feinen Kaffee und versuchten herauszufinden, warum die Kinder plötzlich eine Stunde früher wach sind. Natürlich kamen wir zu keiner Erkenntnis. Einmal mehr merkten wir: Wie man so schön sagt – wir müssen diese Phase einfach annehmen. Am Abend im Bett sagte mir mein Mann, dass er gerade etwas Cooles in der Bibel gelesen habe. Er las mir zwei Verse vor: Psalm 127,3: „Kinder sind ein Geschenk des HERRN, sie sind ein Lohn aus seiner Hand.“ und Psalm 143,8: „Lass mich am Morgen hören deine Gnade, denn ich vertraue auf dich! Tu mir kund den Weg, den ich gehen soll, denn zu dir erhebe ich meine Seele!“
Dann sagte er: Ihm sei beim Lesen der Gedanke gekommen, dass Kinder ein Geschenk aus Gnade seien – und dass wir, wenn wir sie morgens rufen hören, die Gnade Gottes hören. Wow. Was für ein cooler Gedanke! Dass muss ich mir für Morgen merken. Auch in den darauffolgenden Wochen war unser Tagesstart meistens viel zu früh, aber meine Gedanken haben sich etwas verändert. Jetzt denke ich (meistens zumindest):
„Gott hat mich aus Gnade mit eigenen Kindern beschenkt – und wir dürfen gemeinsam das Leben erleben.“

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