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Warum Donuts glücklich machen

26. Aug.
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 26. Aug.


Mein Mann und ich ergänzen uns perfekt: Ich koche – er isst. Ich putze – er macht Dreck. Er verdient Geld – ich gebe es aus. Und seit er auch Nachtschichten übernimmt, ergänzen wir uns sogar im Bett: Ich stehe auf. Er geht schlafen. 


Aber Spass beiseite: Wo verschiedene Lebens- und Denkweisen aufeinanderprallen, kommt es zwangsmässig auch zu Spannungen. Das ist auch bei uns nicht anders.

In den vergangenen Jahren musste mein Mann lernen, dass ein spontanes „Ich bin heute Abend bei einem Freund“ am Telefon nicht unbedingt der richtige Weg ist, um mich für sein Vorhaben zu gewinnen. Und ich habe gelernt, dass mein Mann – so toll er auch ist – nicht über hellseherische Fähigkeiten verfügt und keine Gedanken lesen kann (ein grosses Glück für uns beide).

Vieles hat sich in den vergangenen 13 Jahren eingespielt. Auch im Haushalt. Er ist Technik-Chef – ich Facility Managerin. Und ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass ich mich nicht mit PC-Fragen und Reifenwechseln herumschlagen muss. Denn obwohl (oder weil?) ich mit drei grossen Brüdern aufgewachsen bin und lieber mit LEGO spielte als mit Puppen, überliess ich das Reifenwechseln schon früher lieber den Männern im Haushalt. Mein Welpenblick funktionierte immer. Ich musste NIE einen Reifen allein wechseln.

In all den wunderbaren Ergänzungen und mühsamen Spannungen, die eine Ehe mit sich bringt, versuche ich mich ans Donut-Prinzip zu halten.

Es ist ganz einfach: Stell dir einen klassischen Donut vor. Du freust dich über den leckeren Ring, über die Schokostreusel und die cremige Füllung. Ziemlich sicher wirst du voller Genuss hineinbeissen. Nur ein sehr griesgrämiger und verbitterter Mensch käme auf die Idee, sich über das Loch in der Mitte zu ärgern. Und doch machen wir es im Alltag oft genauso: Wir sehen nicht das, was wir haben, sondern das, was fehlt.

Ich kann mich darüber ärgern, dass mein Mann zu wenig im Haushalt hilft – oder dankbar sein, für das, was er mir an Arbeit abnimmt (ehrlicherweise müsste ich es ja auch selber machen, wenn ich ihn nicht hätte).

Ich kann mich darüber ärgern, dass er nachts arbeitet – oder dankbar sein für die gemeinsamen Abende, die wir dank seiner Nachtschicht geniessen dürfen.

Ich kann mich darüber ärgern, dass es ihm so viel leichter fällt mit Menschen ins Gespräch zu kommen – oder dankbar sein für all die Beziehungen, die dank ihm entstehen.

Der Donut bleibt derselbe. Aber ich entscheide, ob ich damit glücklich werde oder nicht.

 
 
 

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