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Warum Frauen nicht schweigen müssen!

26. Aug.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 26. Aug.

Darf eine Frau predigen oder nicht? Wie oft hat diese Frage schon für Verletzung, Diskussionen und hitzige Gemüter gesorgt. Aber sagt Paulus nicht selbst, dass Frauen nicht predigen dürfen? Eine Erklärung zu 1. Tim 2,11-13. 



Die Worte von Paulus in 1. Tim 2,11-15 haben schon für viele Diskussionen gesorgt. Um ihre Bedeutung richtig verstehen zu können, ist es wichtig ihren Entstehungskontext zu kennen.

Paulus formulierte diese Verse in einem Brief an Timotheus, als der sich gerade in Ephesus befand. Ephesus, ursprünglich aufgebaut als griechische Kolonie, wurde im römischen Reich zur Hauptstadt der Provinz Asien. Die Stadt war Heimat des legendären Artemistempels (eines der sieben antiken Weltwunder) und des Artemiskults. Die Göttin Artemis mit ihren 17 Brüsten war ein Symbol absoluter Fruchtbarkeit. Sie stand an der obersten Spitze der Tempelhierarchie eines sehr feminin geprägten Kultes und viele Priesterinnen dienten ihr.

Zu Paulus’ Zeit entstand in Ephesus eine christliche Gemeinde unter der Leitung von Timotheus. Zahlreiche Frauen kamen zum Glauben. Geprägt vom Artemiskult wollten sie nun auch in der christlichen Gemeinde Einfluss nehmen, ohne jedoch im Evangelium gelehrt zu sein.

In diesen Kontext schreibt Paulus die Worte aus 1. Tim 2,11-15, die ich nun der Reihe nach erklären möchte.


Ein fortschrittlicher Paulus

Eine Frau lerne in der Stille mit aller Unterordnung. (1. Tim 2,11)

Was in unseren Ohren einschränkend tönt, muss im damaligen Kontext revolutionär geklungen haben. Eine Frau soll lernen! Das war sowohl für den jüdischen wie auch für den römischen Kontext absolut ungewöhnlich und spricht dafür, dass Paulus ein sehr fortschrittliches Frauenbild vertrat.

Die Frau soll dies in Stille (griech. ἡσυχία) und Unterordung (griech. ὑποταγή) tun.

Das Wort für «Stille» bedeutet auch «Ruhe, geregelte Ordnung». Das gleiche Wort gebraucht Paulus in 1. Tim 2,2, wenn er Frauen und Männer zu einem ruhigen, zufriedenen Leben in Gottesfurcht und Ehrbarkeit rät. Damit ermutigt Paulus nicht zum Schweigen, sondern dazu, mit ruhigem Gemüt zu lernen.

Das griechische Wort für Unterordnung muss nicht zwingend als Unterordnung unter Männer generell verstanden werden, sondern ist dasselbe Wort, dass gegenseitige Unterordnung ausdrückt (vgl. Eph 5,21). Es kann auch eine Unterordnung unter die Leitung einer Gemeinde bedeuteten.

Paulus ermutigt die Frauen zu lernen. Dies soll mit ruhigem Gemüt und im Rahmen der gemeindlichen Ordnung passieren.


Ein bedingtes Verbot

Einer Frau aber gestatte ich nicht, dass sie lehrt, auch nicht, dass sie über den Mann herrscht, sondern sie soll still sein. (1. Tim 2,12)

Im Griechischen enthält dieser Satz das kleine Wörtchen „δὲ“, das im Deutschen richtigerweise meist nicht übersetzt wird. Von der Satzkonstruktion her stellt dieses Wörtchen jedoch einen Bezug zum vorherigen Gedankengang her. Es deutet einen schwachen Gegensatz an. Man könnte also paraphrasieren: „Eine Frau soll lernen (in Stille und Unterordnung), sonst aber gestatte ich einer Frau nicht, dass sie lehrt...!“

Paulus erteilt hier also tatsächlich ein Lehrverbot – aber ein Bedingtes. Es gilt überall dort, wo Frauen lehren, ohne gelernt zu haben. Für die Frauen von Ephesus hiess das, dass sie ihren Kultstatus nicht einfach in die christliche Gemeinde importieren konnten. Sie mussten zuerst in Stille und Unterordnung die Wahrheiten des christlichen Glaubens lernen.

Paulus zeigt nun weiter, warum Frauen, die nicht gelernt haben, nicht lehren sollen: Sie sind verführbar.


Eine Illustration anhand des Sündenfalls

Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber wurde verführt und ist in Übertretung geraten. (1. Tim 2,13-14)

Oft wird behauptet, dass Paulus sein Gebot mit der Schöpfung begründet und es deshalb besonders unumstösslich sei. Meines Erachtens handelt es sich hier jedoch nicht um eine Begründung mit der Schöpfung, sondern um eine Illustration anhand des Sündenfalls (1Tim 2,13-14). Was meine ich damit?

Paulus wählt das Ereignis aus der Schöpfungsgeschichte aus, um zu illustrieren, dass Wissensrückstand verführbar macht.

Adam wurde zuerst geschaffen. Als Gott Adam das Verbot gab, nicht vom Baum zu essen, existierte Eva noch gar nicht. Als Eva dann geschaffen war und von der Schlange verführt wurde, wusste sie von einem Gebot um den speziellen Baum. Sie sagte der Schlange, dass sie diesen Baum nicht einmal „berühren“ dürfe (1. Mose 3,3). Eva übertreibt, sie verschärft das Gebot. Gott hatte Adam nur geboten, nicht vom Baum zu „essen“ (1. Mose 2,16-17). Eva hat etwas nicht richtig gelernt und das machte sie verführbar. Genau das möchte Paulus uns mit dem Rückgriff auf die Geschichte von Adam und Eva illustrieren. Man darf nicht lehren, bevor man nicht selbst gelernt hat, denn sonst ist man verführbar. Dies gilt übrigens genauso auch für Männer (vgl. 1. Tim 1,3).


Ein gewöhnlicher Lebensstil

Sie wird aber gerettet werden dadurch, dass sie Kinder zur Welt bringt, wenn sie bleiben mit Besonnenheit im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung. (1. Tim 2,15)

Was hat Gebären mit der Rettung zu tun? Im Artemiskult und auch in der aufkommenden Gnosis war die Meinung vertreten, dass Kinderkriegen zum irdisch-sündigen Wesen gehört und von der Entwicklung echter Geistlichkeit abhält (vgl. auch 1. Tim 5,13ff). Alles Körperliche, alles Irdische sollte zu Gunsten der Spiritualität überwunden werden.

Im christlichen Glauben jedoch liegt das Geistliche geheimnisvoll im Irdischen verborgen (vgl. Menschwerdung Jesu). Darum erinnert Paulus hier daran, dass eine Frau gerettet wird, während sie ganz gewöhnlich lebt und (unter anderem) Kinder bekommt.

Wichtig ist es den Text nicht wörtlich zu nehmen, sondern ernst. Paulus schafft hier kein Schlupfloch der Werkgerechtigkeit. Eine Frau wird nicht gerettet, indem sie Kinder gebärt. Es braucht den Glauben für Rettung, aber das Kindergebären hindert daran nicht!

Fazit:

Paulus formuliert in 1. Tim 2,11-15 tatsächlich ein Lehrverbot. Es ist jedoch bedingt und gilt situativ bis heute überall dort, wo Frauen lehren, ohne selbst gelernt zu haben.

Deshalb ist es mir ein grosses Anliegen, Frauen zum Lernen zu motivieren und dann den Auftrag von Jesus anzunehmen: „Geht hin und verkündigt es (auch!) meinen Brüdern!“ (Mt. 28,10)

 
 
 

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